Nicht einfach nur ein Krimi

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liesdochmaleinbuch Avatar

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Jo Nesbo hat es ja mit getriebenen, vom Schicksal geplagten Ermittlern und so reiht sich auch Bob Oz in dieses Schemata ein. Das Buch ist nicht einfach ein Krimi mach Schema X, die Story ist super dicht und wendungsreich, übt auch Kritik am Polizeiapparat an sich und auch ein stückweit am American Way of Life.

Die Erzählung schreitet anfangs eher ruhig voran, durchzogen von alten Erinnerungen, Nostalgie-Feeling und Verfall. Die Beschreibungen sind teilweise fast schon ausschweifend in ihrem Detailreichtum. Einerseits sorgt das dafür, dass man ein ziemlich konkretes Bild vor Augen hat, andererseits zieht sich dadurch vor allem der Start in die Handlung für mich in die Länge.

Bob ist irgendwie unsympathisch, gerade im Umgang mit Frauen hat er was von einem Ekelpaket. Und gleichzeitig ist er auf traurige Art bemitleidenswert, Typ armes Würstchen. Seine gewitzte Teufelskerl-Aura und schonungslose Offenheit sind aber durchaus unterhaltsam. Habe sehr ambivalente Gefühle ihm gegenüber.

Das Buch lebt in meinen Augen von den detaillierten Beschreibungen rund um Bobs Ermittlungsarbeit. Hier wird viel nach links und rechts geblickt, was die Geschichte authentisch und atmosphärisch macht und ihr einen aktuellen, Gesellschaftskritischen Bezug gibt.
Das Spannungslevel schwankt ein bisschen und teilweise wird scheinbar gezielt Tempo rausgenommen. Aber Bobs Verbissenheit macht hier wirklich was her.
Fands gut.