Richtig guter Krimi

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andikreide Avatar

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Mit „Minnesota“ beweist Jo Nesbø erneut, dass er mehr beherrscht als den klassischen Hardboiled-Krimi. Er entwirft ein beklemmendes Kammerspiel in den norwegischen Bergen, das weniger durch Tempo als durch seine psychologische Tiefe überzeugt. Die Geschichte der Brüder Roy und Carl ist ein schleichendes Gift; die Atmosphäre ist so rau und karg wie die Landschaft selbst.
Nesbø lässt sich viel Zeit für den Aufbau. Das ist handwerklich brillant, erfordert aber Geduld. Während die moralischen Abgründe faszinieren, wirkt manche Wendung im letzten Drittel fast schon zu konstruiert, um die Spannung künstlich hochzuhalten. Es fehlt der gewohnte Punch eines Harry Hole, dafür gewinnt die Erzählung an melancholischer Dichte.
Fazit: Ein handwerklich solides, atmosphärisches Werk für Leser, die eher das psychologische Profiling als die schnelle Action suchen. Ein guter Nesbø, wenn auch kein überragender.