starker Anfang, mittiger Füllstoff, starkes Ende

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nähpummelchen Avatar

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Minnesota hat mich echt auf eine Art erwischt, mit der ich gar nicht wirklich gerechnet hatte. Ich dachte erst: „Okay, ein weiterer Nesbø‑Thriller, düster, kaputte Typen, viel Schnee.“ Und ja, davon ist wirklich viel dabei – aber irgendwie auch mehr.

Die Geschichte dreht sich um Bob Oz, einen Polizisten. Der Tod seiner Tochter hängt über allem was er tut hängt und man spürt eine gewisse Schuldigkeit für ihren Tod auf jeder Seite des Buches. Das macht seine Figur sehr nah und greifbar. Er ist sehr fragil und droht den Moment auseinander zu fallen.

Das Buch hat eine fantastische Atmosphäre, als hätten alle Schauplätze ein eigenes Leben mit vielen Geheimnissen und vor allem gesellschaftlichen Spannungen. Der Thriller selbst hat mich dennoch nicht wirklich mitgenommen, die Spannung hat mich nicht erreicht. Ich fand das Ende stark, aber zwischendrin gab es mir zu viel Füllstoff. Trotzdem, der Einstieg mit dem Scharfschützen ist sofort ein „Okay, ich lese weiter“-Moment. Aber es ist nicht nur die Action, die trägt. Es sind die stilleren Momente, in denen man merkt, wie sehr Bob Oz versucht, irgendwie weiterzumachen, obwohl er eigentlich längst aufgegeben hat. Nanche politischen Themen lagen mir ein bisschen schwer im Magen. Manchmal wirkt es, als wolle der Roman mehr gesellschaftliche Tiefe haben, als er am Ende wirklich ausformuliert.

Minnesota ist ein intensiver, manchmal unbequemer, aber sehr atmosphärischer Roman. Für mich kein typischer Nesbø.