detailverliebt geschrieben

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Martina Bogdahn schreibt sehr bildhaft und sinnlich, man sieht, riecht und hört dieses Dorf, den Pfarrgarten, den Mirabellenbaum, den See. Die Sprache ist ruhig, detailverliebt und beobachtend, ohne gekünstelt zu wirken. Viele kleine Alltagsbeobachtungen (Geruch von Brot, Wachsmalkreide, das Gurgeln der Regentonne, der brüchige Lack am Geländer) machen den Text sehr atmosphärisch.

Inhaltlich geht es um Anna, die Haushälterin im Pfarrhaus eines Dorfes namens Blumfeld. Ihr Pfarrer Josef ist plötzlich gestorben, und wir erleben ihre ersten Tage danach: der Fund der Beileidsbriefe, der erste Gang zum toten Josef, Erinnerungen an seine Kindheit mit Robert, die Anteilnahme des Dorfes, die Bilder der Kindergartenkinder, der Ärger über den Bischof und schließlich die Ankündigung eines neuen, sehr jungen Pfarrers aus dem Norden, Fridtjof. Dabei mischen sich Trauer, Routine und leiser Humor.

Der Text wirkt wie der Auftakt zu einem leisen, warmen, dörflich geerdeten Roman über Verlust, Neubeginn und das Geflecht eines kleinen Orts, mit einer Erzählerin, die klug beobachtet, ein bisschen eigen ist und die Dinge nicht nur sentimental, sondern auch mit Ironie sehen kann. Man bekommt beim Lesen sofort ein klares Gefühl für Ort, Menschen und Stimmung und möchte wissen, wie Anna mit Josefs Tod und dem fremden jungen Pfarrer zurechtkommt.