Aufbruch

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Auf den zweiten Roman nach "Mühlensommer" von Martina Bogdahn war ich sehr gespannt. Wir befinden uns in Blumenfeld, einem kleinen, erzkatholischen Örtchen. Der Ortspfarrer Joseph verstirbt überraschend mit gerade einmal 57 Jahren. Seine langjährige Haushälterin und Wegbegleiterin Anna muss nun vieles organisieren und entscheiden. Kurz vor seinem Tod hat Joseph ihr ein Geheimnis anvertraut, das es nun umzusetzen gilt. Und dann kommt auch noch ein junger Priester als Nachfolger aus dem hohen Norden, aus Nordfriesland, nach Blumenfeld. Hier prallen Welten aufeinander, nicht nur sprachlich.
Auch dieser Roman vereint wieder zwei unterschiedliche Zeitstränge, die Kindheit und Jugend sowie die Gegenwart unserer Protagonistin Anna. Dieses Zusammenspiel ist Martina Bogdahn erneut sehr gelungen. Die Geschichte wird warmherzig und mit einem feinen Humor erzählt, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Besonders die Entwicklung von Anna hat mir gut gefallen, ihre Gedanken und Entscheidungen wirken sehr nachvollziehbar.
Zwei Passagen sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Auf Seite 290 geht es um Tradition: "Es ist tröstend, dass manche Dinge bleiben, auch wenn man selbst nicht mehr ist." Und auf Seite 303: "Heimkommen kann man nur, wenn man von zu Hause weggeht." Dieses Credo zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman, der von Tradition, Zweifel und Aufbruch erzählt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.