Ein Buch, das man nicht nur liest, sondern fühlt

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hogado Avatar

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Mirabellentage ist ein stilles, zugleich kraftvolles Buch, das lange nach dem Lesen nachhallt.
Martina Bogdahn gelingt es, mit einer klaren und einfühlsamen Sprache eine Geschichte zu erzählen, die tief berührt, ohne jemals aufdringlich zu wirken.

Im Zentrum steht eine Frau, die durch einen unerwarteten Anruf aus ihrem Alltag gerissen wird und sich auf eine Reise in ihre Vergangenheit begibt. Was zunächst wie eine äußere Bewegung erscheint, entwickelt sich schnell zu einer inneren Auseinandersetzung mit Familie, Herkunft und den eigenen Lebensentscheidungen. Besonders eindrucksvoll ist, wie fein Bogdahn die verschiedenen Zeitebenen miteinander verwebt. Erinnerungen, Gegenwart und Emotionen fließen beinahe nahtlos ineinander.

Die Figuren wirken authentisch und nahbar, mit all ihren Widersprüchen und leisen Sehnsüchten. Gerade die Beziehung zur Mutter ist vielschichtig dargestellt – voller unausgesprochener Gefühle, aber auch von Wärme und Verbundenheit geprägt. Hier zeigt sich die große Stärke des Romans.
Er erzählt von den kleinen Momenten, die ein Leben prägen, und macht deutlich, wie sehr Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind.

Sprachlich ist das Buch ruhig, fast poetisch, ohne dabei an Klarheit zu verlieren. Es sind oft die leisen Töne, die am meisten bewegen. Die Naturbilder insbesondere rund um die namensgebenden Mirabellen verleihen der Geschichte eine zusätzliche Tiefe und Symbolik.

Mirabellentage ist kein lauter Roman, sondern einer, der sich Zeit nimmt und auch den Leser dazu einlädt, innezuhalten. Wer sich auf diese ruhige Erzählweise einlässt, wird mit einer berührenden, klugen und sehr menschlichen Geschichte belohnt. Ein Buch, das man nicht nur liest, sondern fühlt.