Ein Hauch Nostalgie

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krokussine.liest Avatar

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«Du bist der Kleber für diese Gemeinde. Und zwar ein guter. Keiner, der verhärtet und irgendwann doch bricht, sondern einer, der alles in Bewegung lässt und dennoch zusammenhält und dabei so weich und wohltuend ist, wie Honig.»
- aus Mirabellentage -

Anna ist die Haushälterin von Pfarrer Josef, vor allem aber ist sie seit vielen Jahren die gute Seele von ganz Blumfeld. Anna hinterfragt nie, sie ist einfach da, erledigt was anfällt und ersetzt auch schon mal den Pfarrer beim Beichten oder in der Predigt. Bis jetzt. Von heute auf morgen ist nichts mehr wie es war und Anna fragt sich, ob sie im Leben nicht doch etwas verpasst hat und ob sie in Zukunft im Pfarrhaus noch genauso gebraucht wird wie bisher. Zuerst allerdings will sie den – für einen Pfarrer doch eher ungewohnten – Wunsch von Josef erfüllen.

Anna war mir von Beginn weg sympathisch. Sie ist eine bescheidene Frau mit wenigen Ansprüchen die zufrieden scheint in ihrer kleinen Welt im und um das Pfarrhaus. Sie ist aber sicher auch etwas naiv und teils altmodisch. Die Geschichte wird von Anna in der Gegenwart erzählt. Immer wieder schaut sie aber auch in der Zeit zurück auf das Leben der Menschen in Blumfeld. Auf mich machte die ganze Geschichte ein bisschen den Eindruck einer allzu heilen Welt. Das nostalgische, teils etwas eingestaubte Flair war mir zeitweise zu ausgeprägt. Es wird kaum was hinterfragt, sondern alles ist und soll so bleiben wie es immer war. Dennoch fühlte ich mich wohl in der Geschichte, sie holte in mir das Gefühl von unendlich langen Sommertagen aus längst vergangenen Zeiten zurück. Die Autorin hat einen angenehmen, ruhigen und gemächlichen Schreibstil der hervorragend zu dieser Art von Geschichte passt. Wer unsere hektische Zeit für einen Moment ausschalten will und sich nach etwas Nostalgie, heißen Sommernachmittagen und Mirabellenduft sehnt, der oder die wird in diesem Buch sicher fündig.