Ein Pfarrer und seine Haushälterin

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lisbethsalander Avatar

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In ihrem neuesten Roman "Mirabellentage" von Martina Bogdahn steht Anna im Mittelpunkt der Handlung. Die etwa 60jährige Frau war nahezu Zeit ihres Lebens die Haushälterin des Pfarrers Josef in einem kleinen bayerischen Dorf. Josef ist nun verstorben, und sein letzter Wunsch, einmal ans Meer zu reisen und dort auch begraben bzw als Asche verstreut zu werden soll offenbar von Anna umgesetzt werden, auch wenn dies eigentlich den katholischen Gepflogenheiten widerspricht, die eine Beerdigung auf dem örtlichen Friedhof vorsähe. In vielen Rückblenden erfahren wir so einiges über Josef und Anna, die sich bereits seit ihrer Kindheit kannten. Ebenfalls eine tragende Rolle spielt der sympathische junge und vor allem neue Pfarrer Fridtjof, der sein Amt schon wenige Tage nach Josefs Tod antritt. Die Autorin beschreibt in flüssigem leichten Schreibstil das Dorfleben, dessen Teil der Pastor und seine Haushälterin sind und waren. Hierbei gibt es viele kleine Anekdoten, die humorvoll erzählt werden, leider übertreibt Martina Bogdahn es hiermit etwas. Sowohl was die Anzahl angeht, der Teil, der in der Vergangenheit spielt, nimmt zu großen Raum ein, als auch die Skurrilität, die stellenweise zu überzogen wirkt. Ich als Leser hätte gerne mehr über die Gegenwart der Protagonistin gelesen und habe eigentlich fast das gesamte Buch über auf die Auflösung am Ende und eine eventuelle Reise Annas ans Meer gewartet. Die Geschichte vermittelt trotz der aufgezeigten Schwächen aber trotzdem ein wunderbares Bild der Geborgenheit, die das Leben in einem Dorf bietet und zeigt, was es bedeutet zu wissen, wo die eigene Heimat ist!