Es ist nie zu spät zum Heimkommen und Neuanfangen

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merleredbird Avatar

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Danke an Vorablesen und den KiWi Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon unabhängig.

Mirabellentage ist für mich das perfekte Sommerbuch und ich kann gar nicht aufhören, es weiterzuempfehlen (ehrlich, ich habs direkt nach dem Auslesen einer Freundin aufgedrängt und ausgeliehen, und ich weiß schon genau, wo das Buch danach hinwandert!).

Dabei wirkt das Setup erstmal gar nicht so fröhlich: der Pfarrer Josef stirbt überraschend und das Leben seiner Haushälterin Anna ändert sich von jetzt auf gleich. Es kommt nicht nur ein neuer blutjunger Pfarrer von der Nordseeküste in ihr bayrisches Dorf, der ihre Unterstützung braucht, um in die Fußstapfen von Josef zu steigen – und gleichzeitig will Anna Josefs letzten Wunsch erfüllen, und seine Asche im Meer verstreuen. Allerdings hat Anna seit vielen Jahren ihre Heimat nicht verlassen und bräuchte auch nochmal eine Auffrischung ihrer Autofahrkenntnisse – in der Begegnung mit dem Fahrleher, für den sie früher geschwärmt hat, reflektiert sie über ihre Vergangenheit und den Weg, den sie in Zukunft weitergehen (oder fahren?) will.

„Ich frage mich mit einem Mal, warum man jemanden erst vermissen kann, wenn er nicht mehr da ist. Unbeirrt lebt man sein Leben weiter. Es kommt Neues hinzu und immer seltener erinnert man sich an den Verlust, auch wenn der einst mit solcher Wucht kam, dass man dachte, er bleibe für immer.“

Bei diesem Buch ist die Atmosphäre das, was bei mir noch am meisten nachgehallt hat. Wie kann ein Buch über Tod und Trauer so warmherzig sein? Die Autorin zeigt das hier sehr eindrucksvoll. Es gibt so viele humorvolle, ja fast schon witzige Szenen, die einen glatt vergessen lassen, dass am Anfang der Geschichte ein geliebter Mensch plötzlich (still und leise) stirbt. Was bei dem Buch wichtig ist: es ist sehr anekdotisch geschrieben. Ja, es gibt einen Grundplot – Anna soll die Beerdigung von Josef organisieren und dann seine Asche ans Meer bringen. Aber drumherum erhalten wir immer wieder Rückblenden. In das Aufwachsen von Anna, von Josef, wie sie zu seiner Haushälterin geworden ist und die kleinen Dinge, die ihren Alltag ausgemacht haben - von Kaffeefahren, die nicht ganz den Erwartungen der Gruppe entsprechen, geklauten Mirabellen bis hin zu Motorrollerrennen.

„Heimkommen kann man nur, wenn man von zu Hause weggeht.“

Für mich persönlich war das Buch eindeutig ein Jahreshighlight und ich habe Anna sehr gerne auf ihrem Weg begleitet. Es tat gut zu sehen, wie sie über sich hinauswächst und selber Entscheidungen für ihr Leben trifft. Die Kulisse des Dorfes Blumfeld habe ich als sehr idyllisch wahrgenommen und zeitlich hätte das Buch irgendwo zwischen den 1950er und 2000er Jahren spielen können; das war völlig egal. Eine perfekte Alltagsflucht einfach. Von mir gibt es 5 Sterne und ich bin gespannt auf Mühlensommer, das vorherige Buch der Autorin, das wohl im selben Universum spielt.