Ungewöhnlich
Der Einstieg in Mit anderen Augen wirkt sofort ungewöhnlich und gleichzeitig sehr einnehmend: Tilda Finch entdeckt, dass ihr kleiner Finger verschwunden ist – ohne Schmerz, ohne Verletzung, einfach weg. Dieses surreale, fast märchenhafte Element sorgt direkt für Neugier und verleiht dem Roman eine besondere Tonalität. Die Diagnose „Unsichtbarkeit“, die sie von ihrer Ärztin erhält, funktioniert als starke Metapher für das Gefühl vieler Frauen, im Laufe des Lebens an Sichtbarkeit zu verlieren. Schon in den ersten Abschnitten spürt man, wie sehr Tilda sich selbst vernachlässigt hat und wie lange sie sich innerlich bereits „verblasst“ fühlte.