Ein Roman, der den Blick verschiebt
Das Cover des Buches deutet es bereits an: der "alte" Vorhang wird weggeschoben und macht den Blick frei für etwas Neues. Jane Taras "Mit anderen Augen" hat mich auf leise, beinahe unmerkliche Weise beeindruckt. Während der Lektüre hatte ich wiederholt den Eindruck, dass sich mein Blick auf scheinbar Vertrautes behutsam verschiebt; ganz so, wie es der Titel suggeriert. Taras Sprache ist von bemerkenswerter Präzision und Zurückhaltung geprägt; sie verzichtet auf dramatische Übersteigerung und vertraut stattdessen auf die Wirkung genauer Beobachtung und feiner Zwischentöne. Gerade diese Zurückhaltung empfinde ich als besondere Stärke des Buches: Figuren und Gedanken entfalten sich allmählich und mit großer Sensibilität. Für mich wurde der Text zu einer stillen Einladung, die eigenen Wahrnehmungsmuster zu hinterfragen. Ein unaufdringliches, doch nachhaltig wirkendes Buch.