Gesellschaftskritische und dennoch humorvolle Geschichte
Tilda Finch, eine erfolgreiche Frau Anfang 50 stellt eines Morgens fest, dass einzelne Körperteile von ihr nicht mehr sichtbar sind. Nachdem sie die Ärztin ihres Vertrauens konsultiert hat, muss sie mit der Diagnose "Unsichtbarkeit" klar kommen! Diese einerseits fast märchenhaft anmutende Unsichtbarkeit steht als Metapher dafür, dass Frauen in unserer Gesellschaft ab einem gewissen Alter häufig nicht mehr gesehen werden, keiner nimmt sie mehr wahr, wenn ihr Körper anfängt abzubauen und nicht mehr jung und frisch auszusehen. Gott sei Dank hat Tilda einige starke Frauen an ihrer Seite, die ihr hilfreich beistehen: zum einen mehrere gute Freundinnen, aber auch ihre beiden erwachsenen Töchter. Man organisiert ihr eine Therapeutin sowie eine Selbsthilfegruppe zum Thema. Die Autorin hat ein gesellschaftlich wichtiges Thema sehr originell, ja stellenweise sehr humorvoll zum Mittelpunkt ihres Romans gemacht. Die Protagonistin muss lernen, dass sie sich in der Vergangenheit selber nicht wirklich wahrgenommen hat. Wen wundert es da, dass sie nun auch für andere langsam unsichtbar wird! Tilda beginnt mehr und mehr, sich mit ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu beschäftigen und lernt dabei viel über sich. Auch entdeckt sie durch die Kontakte, die sich neu auftun, den Zugang zur Meditation, was ihr gut tut. Auch eine neue Beziehung zu einem attraktiven Mann kommt ins Spiel, was einen Schuss Romantik mit ins Spiel bringt. Dies wurde von einigen als unnötig angesehen, ich hingegen fand es erfrischend. Einzig der stellenweise etwas zu viel Raum einnehmende Charakterzug eines psychologischen Ratgebers ist mein einziger Kritikpunkt. Insgesamt fühlte ich mich aber sehr gut unterhalten gefühlt, mir hat die positive Entwicklung von Tilda sehr gut gefallen. Der flüssige und angenehme Schreibstil hat die Lektüre bereichert. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für diesen märchenhaften Roman mit ernstem Background!