Ich bin schon seit langem unsichtbar

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kleine hexe Avatar

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Jenseits der fünfzig steht man als Frau eine harte Zeit durch. Nicht nur die Wechseljahre, die uns zu schaffen machen, nein, es ändert sich unsere Wahrnehmung, unser Körpergefühl, aber, noch wichtiger: wie die Mitmenschen uns wahrnehmen ändert sich auch.
Peu a peu werden wir unsichtbar. Nicht mal der Frechheit Bauarbeiter schickt uns einen müden Pfiff hinterher. Ab und zu und dann immer häufiger stehen aber junge Leute in der U-Bahn auf und bieten uns ihren Sitz an. Deprimierend!
In diesem Buch wehrt sich die Frau dagegen. Sie beschließt sichtbar zu bleiben, ihren Platz zu behaupten. Tilde überdenkt ihr Selbstwertgefühl, baut eine neue Beziehung zu sich selbst auf. Das Lesen hat mich dazu gebracht, auch über mich selbst nachzudenken, mein Ich zu hinterfragen.
Dies ist eines jener Bücher, das ohne Actionszenen, ohne heisse Liebesszenen auskommt. Filigrane Zwischentöne, allmähliche Entfaltung der Gedanken und der Charaktere zeugen von der großen Sensibilität der Autorin. Das Buch ist unaufdringlich aber spricht uns Frauen an der Grenze zur Unsichtbarkeit sehr an.