Langatmige Erkenntnisse

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xana15 Avatar

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Ich habe von "Mit anderen Augen" wahrlich mehr erwartet.
Das Buch erzählt die Geschichte von Tilda, einer Fotografin mit erfolgreichem Unternehmen, zwei tollen Töchtern und einem eigentlich schönen Leben. Sie ist nur leider etwas einsam, was Männer angeht, seit ihr nichtsnutziger Mann sie verlassen hat. Außerdem fühlt sie sich kreativ nicht mehr wirklich gefordert. Also bekommt sie nun die Unsichtbarkeitsdiagnose, denn einzelne Körperteile von ihr verschwinden plötzlich.

Eigentlich bedient sich das Buch einer ganz interessanten Metapher und zeigt durchaus einige wichtige Probleme unserer Gesellschaft auf: Frauen werden, vor allem ab einem bestimmten Alter, nicht mehr wahr- und ernstgenommen, sie verschwinden nach und nach und werden irrelevanter. Das liegt an den sexistischen Strukturen, in denen eine Frau vor allem an ihrem Äußeren gemessen wird und hauptsächlich in ihrer Jugend Anerkennung bekommt. Schlimm genug.

Leider wurde diese Metapher allerdings eher schlecht als recht behandelt und durchgezogen. Hin und wieder wirken die Situationen etwas lächerlich und haben nichts mehr mit dem eigentlichen Problem zu tun. Außerdem ist Tilda leider nicht die hellste Kerze auf der Torte und braucht viel zu oft andere Menschen, um die gefühlt einfachsten Dinge zu verstehen. Wenn man auch nur ein wenig Selbstreflexion hat, wirkt das Buch viel zu langatmig und dadurch auch leider recht langweilig.