Nach starkem Anfang leider abgedriftet

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kuddel Avatar

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Als Tilda Finch bemerkt, dass ihr kleiner Finger verschwunden ist, ist sie ratlos, aber auch überrascht und verängstigt. Ihre Ärztin stellt die Diagnose Unsichtbarkeit. Eine weit verbreitete Krankheit bei Frauen in den Wechseljahren, es kann stagnieren, langsam oder schnell fortschreiten. Zu Tildas Finger gesellen sich leider noch die Nase und das Ohr, kurz darauf weitere Körperteile. Laut der Ärztin ist diese Krankheit unheilbar, Tildas Freundinnen, wollen das nicht wahrhaben und organisieren eine umstrittene Therapeutin, neben der ärztlich empfohlenen Selbsthilfegruppe. Tilda macht überall sehr unterschiedliche Erfahrungen.
Mir hat sehr gut gefallen, wie hier mit den Begriffen gespielt wird. Tilda gesteht ein, sich selbst schon seit Jahren aus den Augen verloren zu haben. Dass ältere Frauen oft unsichtbar sind, sich unsichtbar fühlen oder übersehen werden, kommt in unserer Gesellschaft häufig vor. Diese Unsichtbarkeitskrankheit als Metapher zu verwenden, ist im ersten Teil des Buches sehr gut geglückt.
Obwohl Tilda eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist und zwei tolle Kinder hat, besitzt sie kaum SelbstwertGefühl. Die einzelnen Begebenheiten und Begegnungen zeigen dies auf einfühlsame und häufig auch humorvolle Art.
Tilda kann trotz der heftigen Diagnose noch etwas Humor bewahren und gut mit der Situation umgehen. Sie hat viele, sehr gute Freundinnen und starke Töchter, die sie unterstützen, zudem eine gesicherte wirtschaftliche Situation. Diese privilegierte Ausgangslage dürften nicht viele Frauen, die eine heftige Diagnose trifft, haben. Dennoch gefiel mir die Geschichte und Situation am Anfang des Buches gut. Die kurzen, eingängig geschriebenen Kapitel, die von passenden Zitaten eingeleitet, teils begleitet wurden, habe ich gerne gelesen.

Im zweiten Drittel hat mich die Geschichte jedoch verloren, über die Therapeutin wurden sehr interessante Ansätze vermittelt, mit denen Tilda gut arbeitete. Aber die Geschichte rutschte zunehmend ab in ein Lifestyle Ratgeber und wurde immer plakativer. Die Romanze, die am Anfang schön zu lesen war, wurde zu platt, das happy end war einfach zu viel. Hier hätte ich mir etwas anderes gewünscht, dieses Ende wirkte sogar gar nicht glaubhaft und passend zu dem Beginn.