Sehr wichtiges Thema aber misslungene Umsetzung

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An sich ist dies ein wichtiges Buch, da es ein sehr wichtiges Thema aufgreift. Welche Identität bleibt Frauen aus Sicht der Gesellschaft noch übrig, wenn sie ihre Rolle als Mutter und/oder Ehefrau erfüllt haben, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, in dem es nicht mehr viel für andere "zu holen" gibt? Wieviel Energie, Selbstvertrauen und Sinnhaftigkeit bleibt den Frauen selbst, während sie ihre Rollen gewissenhaft erfüllen und erst Recht danach? Und natürlich die wichtigste Frage: Wie sehen sich Frauen selbst, wie definieren sie sich, welche Lebensinhalte sehen sie für sich, z.B. wenn Kinder aus dem Haus sind, wenn Ehen oder Beziehungen scheitern und Männer gegebenenfalls gewalttätig sind? Wie können sie sich neu finden und auch neue Perspektiven für sich mit fortschreitendem Alter entdecken und das Leben mutig in Würde und Freude genießen?

Nach der Leseprobe war mir klar, dass es um Sichtbarkeit auf vielerlei Ebenen geht und den Auftakt des Buches fand ich sehr originell und interessant. Was nach einem guten Romananfang klang, entwickelte sich jedoch zu einem dieser modernen Bildungsromane, die mich persönlich furchtbar anöden, da sie dozierend und lehrmeisterlich daherkommen. Ich habe das Buch zu Ende gelesen, aber mit zunehmendem Widerwillen. Das eigentliche Konstrukt der Handlung wäre sehr gut gewesen, um die Handlung und die Aussage in echter Geschichtenform weiterzuführen und zu entwickeln - der /die geneigte Leser/in wäre schon in der Lage gewesen, die Message zu verstehen, auch ohne den erhobenen Zeigefinger und die künstlich wirkenden Zitate und Passagen der Therapiesitzungen. Sehr schade.