Unbedingt lesen!
Das Cover von, Mit anderen Augen" von Jane Tara zeigt eine Frau, die den Vorhang vor ihrem Fenster beiseite schiebt. Was sieht sie dahinter, vielleicht ihr wirkliches Selbst? Denn Tilda, die Protagonistin, bekommt die Diagnose, "Unsichtbarkeits-Erkrankung". Dies teilt ihr ihre Ärztin mit, als sie sie aufsucht nachdem Körperteile von ihr einfach verschwinden, bzw. physisch nicht mehr zu sehen sind. Erst ein Finger, dann das Ohr, die Nase und der Daumen. Tilda ist verständlicherweise völlig aufgelöst und kann sich keinen Reim darauf machen. Angeblich soll diese Erkrankung recht häufig bei etwas älteren Frauen vorkommen und unheilbar sein. Nach dem ersten Schock beginnt sie ihr Leben zu hinterfragen. Sie ist geschieden, hat zwei reizende Töchter und ein florierendes Unternehmen. Doch, wie fühlt sie sich mit sich selbst? Ihre Freundinnen und Kinder unterstützen Tilda und sie lernt auch den blinden Patrick und seinen Bruder Stephen kennen, die ihrem Leben eine neue Wendung geben. Der Roman wird von einer grandiosen Idee getragen: "Werde ich eigentlich von meinen Mitmenschen gesehen, oder würde es kaum auffallen wenn ich mich einfach auflösen würde ... und ... wie schaue ich auf mich?" Eine großartige Bereicherung sind die vielfach philosophischen Zitate am Anfang eines jeden Kapitels und der trotz allen Ernstes leichte und gut lesbare Schreibstil. Auch der Humor kommt nicht zu kurz und ich musste oftmals laut auflachen. Ein sehr unterhaltsames Buch, das viele Fragen aufwirft und zur Selbstreflexion anregt. Für mich bisher das Roman-Highlight in 2026!