Unsichtbar

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petris Avatar

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Tilda Finch kann nicht glauben, was sie sieht (oder nicht sieht), als sie auf ihre Hand schaut. Ihr Finger, er ist verschwunden. Er ist noch da, aber unsichtbar. Und der Blick in den Spiegel zeigt, auch ein Ohr ist verschwunden. Und bald kommen noch weitere Körperteile dazu. Ihre Ärztin bestätigt die Diagnose, Unsichtbarkeit. Tilda verzweifelt. Die Diagnose lautet unheilbar. Sie liest Bücher, sie geht zu einer Selbsthilfegruppe und lernt, es gibt gar nicht so wenige Frauen mit dieser Diagnose. Alle Mitte 40 und älter.
Sie erzählt ihren Freundinnen davon und eine von ihnen macht ihr einen Termin bei einer Therapeutin, die behauptet, die Krankheit wäre doch heilbar. Tilda will erst gar nicht hingehen, sie glaubt nicht an Heilung, hält die Therapeutin für eine Scharlatanin. Aber, vielleicht gibt es ja doch Hoffnung?
Was sehr stark beginnt, die reale Unsichtbarkeit als Bild für das, was viele Frauen beschreiben, wenn sie älter werden. Übergangen bei Beförderungen, übersehen, nicht mehr wahrgenommen, vergessen …
Doch leider kippt dann die Geschichte, wird sehr trivial weiter erzählt, gerät zum Selbsthilferatgeber mit großem Kitschfaktor.
Und natürlich liegt es an der Frau selbst, sich zu ändern, zu meditieren, die innere Stimme umzupolen, das Mindset zu ändern. Und am Ende warten der Märchenprinz, die perfekten Freundinnen, ein perfektes, privilegiertes Leben, die perfekten Kinder, alle schön und erfolgreich.
Darin geht die Gesellschaftskritik, die Kritik am Umgang mit weiblich gelesenen Personen leider völlig unter, auch wenn sie vorhanden ist. Da hilft es auch nicht, dass am Ende noch eine Freundin vor häuslicher Gewalt gerettet wird. Denn selbst dieser Erzählstrang gerät zum Beweis dafür, wie toll die Protagonistin geworden ist und wie toll sie das gemacht hat, sich so zu ändern und damit zur reinen Selbstdarstellung.
Sprachlich wird die Geschichte leider auch reichlich trivial erzählt.
Schade. Eine Geschichte mit Potential, eine gute Idee, die aber sehr an der Oberfläche bleibt und trotz der wirklich interessanten Botschaften langweilt und nicht berührt.
Mich hat der Roman leider nicht sehr überzeugt. Die drei Sterne gibt es für die Idee und die Teile, die doch immer wieder das Potential von dem, was ich mir gewünscht hätte, durchscheinen lassen.