Vorhersehbar
Vorhersehbar. Als männlicher Babyboomer zähle ich wahrscheinlich nicht zur Zielgruppe dieses Buches... und habe es trotzdem zuende gelesen. Warum? Ich war hin und her gerissen und voller zwiespältiger Gefühle. Die australische Schriftstellerin Jane Tara hat mit vielem Recht - und ja, weibliches Selfempowerment ist wichtig! Und wir Männer können sicher einiges von den Frauen lernen. Aber in "Mit anderen Augen" lässt die Autorin wirklich kein Klischee aus und zuweilen kann man meinen, sie hätte besser einen Ratgeber schreiben sollen als einen derart vorhersehbaren Plot zu entwickeln. Wer allerdings Paulo Cohelo mag, wird auch diese Buch mögen. Jane Tara arbeitet konsequent mit dem Bild, dass Frauen ab ca. der Lebensmitte nicht mehr wahrgenommen werden, was die Sozialpsychologie sicher bestätigen wird. Die Autorin nimmt es aber wörtlich: Körperteile verschwinden nach und nach. Tara lässt ihre Hauptfigur Tilda den Kampf gegen die Erkrankung des Unsichtbarwerdens aufnehmen; zufällig arbeitet Tilda in einer Agentur für Motivationssprüche, und zufällig trifft sie den erblindeten Patrick, der zufällig mehrfacher Millionär ist und zufällig ein Unternehmen gegründet hat, welches durch eine Gesundheits- und Meditationsapp großgeworden ist - was Tildas Weg der Heilung anstößt - und zufällig verlieben sich die beiden und selbstverständlich fühlt sich Tilda nicht nur durch den blinden Patrick gesehen sondern beginnt auch, sich selbst wieder zu sehen und zufällig hilft ihr eine Therapeutin fernab der Schulmedizin und nicht ganz so zufällig hatte Tilda eine nicht ganz so einfache Kindheit. Und - gar nicht zufällig - jedes Kapitel ist eingeleitet von einem frauenempowernden Motivationsspruch. Und gar nicht zufällig ist der Apell an die Leserschaft: Meditieren hilft!