Zwischen Sichtbarkeit und Selbstfindung

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backlistbaddie Avatar

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Mit anderen Augen von Jane Tara hat mich mit hohen Erwartungen starten lassen und mich zunächst wirklich überzeugt.

Die Idee, dass Frauen im Laufe ihres Lebens buchstäblich unsichtbar werden, ist eine starke und treffende Metapher. Gerade der Einstieg gelingt eindringlich und regt sofort zum Nachdenken an. Tilda Finch und ihre Freundinnen wirken dabei angenehm lebendig: nahbar, widersprüchlich und in ihrer Dynamik sehr glaubwürdig.

Besonders gefallen hat mir der leichte, oft selbstironische Schreibstil. Trotz der Erzählperspektive bleibt man nah an Tildas Gedanken, was das Lesen sehr zugänglich macht. Gleichzeitig steckt viel Gesellschaftskritik in der Geschichte. Manchmal so treffend, dass einem das Lächeln kurz vergeht.

Allerdings verliert der Roman im Verlauf etwas an Tiefe. Die anfangs vielschichtige Idee entwickelt sich stellenweise in eine eher einfache, fast belehrende Richtung. Komplexe Themen werden zugunsten von Selbstoptimierungs-Botschaften vereinfacht, wodurch das große Potenzial nicht ganz ausgeschöpft wird.

Trotzdem bleibt ein lesenswertes Buch mit einer starken Grundidee, das Denkanstöße liefert.