Außergewöhnliches Debüt

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söphken Avatar

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Mit beiden Händen den Himmel stützen hat mich auf eine ruhige, aber sehr eindringliche Weise berührt. Schon in der Leseprobe spürt man, wie sehr Lale gezwungen ist, früh Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, weil die Erwachsenen um sie herum Freiheit mit Abwesenheit verwechseln. Diese Form von Vernachlässigung wird nicht angeklagt, sondern einfach gezeigt und gerade das macht sie so schmerzhaft.

Feministisch wirkt der Text für mich, weil er weibliches Aufwachsen nicht romantisiert. Lale muss sich ihren Platz selbst erarbeiten, ohne Schutzraum, ohne große Versprechen. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, dass hier sichtbar wird, wie sehr Mädchen lernen, stark zu sein, lange bevor sie dazu bereit sind.

Persönlich hat mich die leise, klare Sprache überzeugt. Sie lässt Raum für eigene Erinnerungen und Gefühle, ohne sie aufzudrängen. Der Roman fühlt sich an wie ein Versuch, sich selbst zu halten, wenn die Welt es nicht tut, und genau darin liegt für mich seine große Kraft.