Zwischen Chaos und Sehnsucht – Erinnerungen, die unter die Haut gehen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
saskian Avatar

Von

Die Leseprobe aus Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tollkien wirkt sofort intensiv und verstörend nah. Besonders eindrucksvoll ist die Perspektive: Die Erzählerin blickt mit einer fast nüchternen, gleichzeitig sehr poetischen Sprache auf ihre eigene frühe Kindheit zurück – sogar bis in die Zeit im Mutterleib. Dadurch entsteht ein ungewöhnlicher Kontrast zwischen kindlicher Wahrnehmung und den harten Realitäten von Sucht, politischem Extremismus, Vernachlässigung und instabilen Beziehungen.
Stark ist auch, wie körperlich und sinnlich die Erinnerungen geschildert werden: Geräusche, Gerüche, Berührungen und Räume scheinen sich regelrecht in den Körper der Erzählerin einzuschreiben. Die Wohnung, die Menschen und die Erfahrungen werden nicht nur beschrieben, sondern wirken wie Spuren, die in ihr weiterleben. Gerade diese Mischung aus nüchterner Beobachtung und emotionaler Verletzlichkeit macht die Geschichte sehr eindringlich.
Gleichzeitig zeigt der Text immer wieder kleine Momente von Wärme und Sehnsucht – etwa in der Beziehung zum Vater, in kurzen Begegnungen mit der Mutter oder in kindlichen Alltagsdetails. Diese kurzen Lichtblicke stehen in starkem Kontrast zu den dunklen, chaotischen Lebensumständen und erzeugen eine große emotionale Spannung.
Ich möchte das Buch gern weiterlesen, weil mich interessiert, wie sich die Erzählerin aus dieser schwierigen, von Unsicherheit geprägten Kindheit heraus entwickelt – und ob und wie sie für sich einen Weg findet, mit diesen frühen Erfahrungen zu leben.