Ein Buch das nachdenklich stimmt

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maria-luise Avatar

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In ihrem Debütroman "Mit beiden Händen den Himmel stützen" spannt Lilli Tollkien den Bogen ihrer Protagonistin Lale von deren Geburt, Kindheit- und Jugend im Ausnahmezustand der Verwahrlosung, bis hin zur Entbindung ihrer eigenen Tochter.

In den 80ern: Lales leibliche Mutter Anne ist drogenabhängig und pendelt zwischen Gefängnis und Notunterkünften hin und her und ihr leiblicher Vater ist nach einem Banküberfall im Gefängnis. Lale kommt ins Kinderheim und Karlheinz, ein Freund ihres Vaters, übernimmt die Pflegschaft und holt sie in die Männer-WG am Kotti. Ein anarchisch-linkes Hausprojekt, in dem offiziell viel Wert auf antiautoritäre Erziehung gelegt wird. Inoffiziell heißt das aber: Alkohol rund um die Uhr, Dope-Kunden im Wohnzimmer und ständig wechselnde Freundinnen der Männer auf dem Sofa.
Nach seinem Gefängnisaufenthalt, zieht ihr Vater in die WG aber für Lale ändert sich - abgesehen von einem kurzen Intermezzo in Nicaragua - wenig. Auf Schutz von ihrem Vater, hofft Lale vergebens, denn er übersieht alle Anzeichen des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Männer-WG, denen sie ausgeliefert ist.

Lale sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.

Fazit:
Interessant finde ich, dass die Autorin zu diesem Debüt stark inspiriert wurde durch eigene Erfahrungen, und solche, die rein fiktional sind. Der leise Schreibstil ist flüssig zu lesen und hat mir sehr gut gefallen. Beim Lesen der Geschichte und dem vielen Elend, fühlte ich aber oft eine schreckliche Beklemmung in mir und hoffte nach jedem Kapitel, endlich auf eine positive Entwicklung für Lale.
Wer gerne emotionale Gegenwartsromane mit tiefgründiger Thematik liest, dem empfehle ich gerne diesen Debütroman „Mit beiden Händen den Himmel stützen“.