Ein fordernder Roman

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duckyputz Avatar

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Der Roman begleitet Lale von der Zeit vor ihrer Geburt bis ins Erwachsenenalter und erzählt von einer Kindheit, die von Vernachlässigung, Sucht und Gewalt geprägt ist. Die Geschichte wird aus ihrer Perspektive geschildert, oft fragmentarisch und nah an ihren Wahrnehmungen. Dabei wechseln sich belastende Szenen mit ruhigeren, teils fast beiläufig erzählten Momenten ab. Das Buch ist emotional sehr fordernd. Viele Szenen sind schwer auszuhalten, gerade weil sie oft nüchtern und aus kindlicher Sicht beschrieben werden. Dadurch wirken sie umso unmittelbarer. Man merkt schnell, dass hier wenig Distanz geschaffen wird, was das Lesen intensiv, aber auch anstrengend macht. Es ist kein Buch, das man einfach nebenbei liest.
Gleichzeitig liegt darin eine große Stärke. Die Darstellung wirkt ehrlich und konsequent, ohne zu beschönigen oder zu dramatisieren. Die Sprache ist stellenweise poetisch, bleibt aber insgesamt klar. Besonders die Art, wie Erinnerungen erzählt werden, passt gut zum Thema, auch wenn sie anfangs etwas sprunghaft wirken kann. Weniger zugänglich ist aber auch genau diese Erzählweise. Die nichtlineare Struktur und die dichte, oft fragmentierte Darstellung verlangen Aufmerksamkeit und Geduld. Zudem können die vielen belastenden Inhalte schnell überwältigend sein, was das Buch nicht für jede Lesestimmung geeignet macht.
Stark sind die Momente, in denen sich trotz allem so etwas wie Alltag oder sogar leichte Nostalgie zeigt. Diese Kontraste geben der Geschichte zusätzliche Tiefe, ohne die Schwere zu relativieren. Auch die Frage nach Verantwortung und Wegsehen zieht sich durch das gesamte Buch und bleibt im Kopf. Insgesamt ein intensiver, schonungsloser Roman, der viel verlangt, aber auch lange nachwirkt, wenn man sich darauf einlässt.