Ein hartes Buch!

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lucacml Avatar

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„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien erzählt von einer Kindheit zwischen scheinbarer Grenzenlosigkeit und tiefem emotionalem Mangel. Im Mittelpunkt steht ein Mädchen, das in einem Milieu groß wird, das sich Freiheit auf die Fahnen schreibt – laut, ideologisch, unangepasst. Erwachsene diskutieren über Weltveränderung, Nächte verschwimmen zwischen Zigarettenrauch, Musik und offenen Türen. Für das Kind bedeutet diese Freiheit jedoch oft Orientierungslosigkeit. Zwischen übersehenen Bedürfnissen und überschrittenen Grenzen versucht sie, sich selbst zu behaupten und einen Platz zu finden, an dem sie sich sicher fühlen kann. Erst viel später entsteht aus den Erinnerungen etwas Neues: eine eigene Stimme, die das Erlebte festhält und ihm Bedeutung gibt.
Obwohl die Themen des Buches schwer wiegen und einen beim Lesen immer wieder treffen, ist es erstaunlich ruhig erzählt. Vielleicht macht genau das die Geschichte so nachdenklich. Gerade weil das Buch nicht laut oder dramatisch sein muss, haben mich viele Szenen emotional besonders erreicht. Es ist bedrückend, von einer Kindheit zu lesen, die so wenig Schutz bietet – vor allem, wenn man selbst sehr behütet aufgewachsen ist. Gleichzeitig liest sich das Buch unglaublich kurzweilig. Es bleibt lange im Kopf und ist für mich definitiv eine Empfehlung wert.