Hart und intensiv

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
hundeliebhaberin Avatar

Von

Lales Mutter ist drogenabhängig und verliert das Sorgerecht für die anderthalbjährige Lale. Der Vater sitzt nach einem gescheiterten Bankraub im Gefängnis, weshalb ein Freund von ihm Lale aus dem Heim und zu sich holt: In eine Männer-Kommune. Lale wächst dort in den 80er Jahren auf, wo sich ihr Leben durch weitere Unsicherheiten, Abhängigkeiten und Instabilität fortsetzt. Lale ist da, hat jedoch keinen Raum, lernt keine Grenzen und erkennt auch keine Grenzen. Das Leben in der WG ist gekennzeichnet durch wechselnde Frauenbekanntschaften, Drogenkonsum, linker Widerstand, politische Äußerungen und Missbrauch. Erst im Grundschulalter findet Lale etwas Halt, schwirrt jedoch weiterhin durch das Leben, sucht nach Orientierung und wünscht sich ein "normales" Leben ohne den Zugang dazu zu kennen. Erst als sie selbst Mutter wird, ordnen sich die Dinge, sie kann aus der Instabilität und den Abhängigkeiten einen Ausweg finden...

Lilli Tollkien schreibt im Präsens, was Lales Erleben nahbar und spürbar macht. Dennoch ist der Ton schroff, einige Passagen wirken plastisch, sodass ich durchgehend eine große Distanz zu Lale, aber auch den anderen Männern in der WG, spüre. Der erste Teil über Lales Kindheit gefiel mir gut, dann gab es einige Längen und Szenen, die mir schwerfielen zu lesen. Mitdem Lale eine junge Frau war, fiel es mir wieder leichter. Trotzdem war die gesamte Lektüre durch Schwermut, Bedrückung und Härte geprägt.

Ein intensiver und aufwühlender Roman, mit dessen Inhalt sich Leser*innen vorher vertraut machen sollten, um die Tragbarkeit einschätzen zu können.