Kindheit in Berlin im Umbruch

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tschy Avatar

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Lale muss schon direkt nach ihrer Geburt einen Entzug durchleben, ihre Mutter ist drogenabhängig. Sie kann sich nicht zuverlässig um Lale kümmern, so kommt diese dann in ein Kinderheim und dort holen sie in Männer einer Berliner Linken Kommune raus und nehmen sie als Pflegekind auf. Einer der Männer ist ihr Vater, aber das darf das Jugendamt nicht wissen, sonst verliert Lale ihren Pflegekind-Status. Lale bekommt keine Grenzen gesetzt, sie darf Fanta trinken, Süßigkeiten essen, TV schauen und aufbleiben so lange sie will. Aber sie sehnt sich nach Grenzen und Geborgenheit und erntet viel Gelächter als sie sagt „Ihr könnt mir ruhig auch mal was verbieten“. Auch der Vater hat ein Drogen- und Alkoholproblem und ständig Sex mit wechselnden Freundinnen. Lale fehlt zu Hause der Halt und ein geordneter Lebensraum, diesen findet sie zunächst in der Schule und ist dort sehr happy. Dann gerät sie an die falschen „Freunde“ und muss auf die Realschule und dann auf die Hauptschule. Später scheint sie dann doch noch die schulische Kurve zu bekommen.
Das Buch beschreibt sehr interessant die Männerkommune im Berlin der 80er Jahre. Es zeigt auch wie geschickt die Männer es schaffen das Jugendamt, was regelmäßig vorbeischaut, zu überzeugen, dass es Lale gut geht. Die Alternative ein Kinderheim ist für Lale auch keine attraktive Option. Spannend finde ich auch zu sehen, wie wichtig die Rolle der Schule zunächst ist, die ihr Halt und Geborgenheit gibt.
Mir hat das Buch gut gefallen, es zeigt mal eine ganz andere Kindheit auf als das was ich so kenne. Es ist schockierend, aber gut beschrieben. Wer in eine linke Männerkommune der 80er Jahre in Berlin eintauchen möchte, ist hier genau richtig.