Schonungslos, keine leichte Kost

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
fredhel Avatar

Von

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein Roman, der tief unter die Haut geht. Lilli Tollkien zeichnet das Leben von Lale in einer Umgebung, die von Chaos, Grenzüberschreitungen und fehlenden Strukturen geprägt ist. Die Darstellung einer zügellosen Männer-WG, in der Drogen, Alkohol und fehlender moralischer Halt den Alltag bestimmen, wirkt erschütternd und beklemmend.

Besonders eindrücklich ist, wie schutzlos Lale vielen Situationen ausgeliefert ist – auch durch das Versagen der Erwachsenen in ihrem Umfeld. Der Roman scheut sich nicht, Tabus offen anzusprechen, und vermittelt ein bedrückendes Bild von einem Milieu, das von Ablehnung gegenüber Institutionen und Regeln geprägt ist.

Sprachlich ist das Buch klar und schnörkellos gehalten, was die Härte der Inhalte noch verstärkt. Gleichzeitig gelingt es der Autorin, Lales Entwicklung glaubwürdig darzustellen – vom begabten Kind hin zu einem Jugendlichen, der zunehmend in die vorgelebten destruktiven Muster abrutscht.

Trotz der intensiven und wichtigen Einblicke fällt es schwer, das Buch „gern“ zu lesen – die durchgehend düstere Stimmung und die belastenden Themen machen es emotional fordernd.

Insgesamt ein eindrucksvoller, schonungsloser Roman mit wichtigen Perspektiven – aber definitiv keine leichte Lektüre.