Sehr beklemmend, sehr mitreißend

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herbstwindtraum Avatar

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Die Handlung ist recht schnell wiedergegeben: Wir folgen Lale auf ihrem Weg vom Stadium als Embryo im Mutterleib (ja, damit beginnt das Buch) hin zu ihrem Leben in ihren frühen Zwanzigern. Lale wächst in den 80ern auf in einer Berliner Hippie-WG, in der nur Männer wohnen, die gefühlt wöchentlich eine neue Freundin anschleppen, oft auch mehrere Freundinnen parallel haben. Drogen, eine krass antiautoritäre Erziehung und Vernachlässigung prägen ihre gesamte Kindheit und Jugend. Direkt von Anfang an spürt man als Leser*in, dass ein solches Aufwachsen nicht spurlos an Lale vorübergeht.
Lilli Tollkien erzählt einerseits sanft und behutsam, andererseits mit ziemlicher Wucht und so, dass man als Leser*in ständig ein ungutes Gefühl hat (sehr viel foreshadowing). Ich konnte immer nur 50 Seiten am Stück lesen, bevor ich wieder aus der sehr mitreißenden Erzählung auftauchen und mich in meinem eigenen Leben verorten musste. Der Schreibstil ist daher sehr gelungen und die Figuren werden sehr authentisch dargestellt. Ich schwanke sehr zwischen 4 und 5 Sternen, da das Buch enorm gut ist - ich aber so viel authentische Schilderung einer Kindheit voller Vernachlässigung und Missbrauch schlecht aushalten kann.