Still und beklemmend

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nina2401 Avatar

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Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tolkien ist ein Buch, das weh tut. Nicht laut oder dramatisch, sondern auf eine stille, beklemmende Weise, die sich beim Lesen immer tiefer festsetzt. Gerade weil der Roman so autofiktional wirkt und vieles ungeschönt erzählt, entfaltet er eine enorme Authentizität. Ich war selbst jung in dieser Zeit und habe erschreckend vieles wiedererkannt – diese Atmosphäre aus Orientierungslosigkeit, Sehnsucht und gleichzeitigem Absturz. Genau das macht das Buch so schwer auszuhalten.

Der Roman erinnert mich stellenweise stark an „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: dieselbe rohe Ehrlichkeit, dieselbe emotionale Kälte und dieses Gefühl, Jugendlichen beim langsamen Verschwinden zuzusehen. Besonders gelungen fand ich die dichte, bedrückende Atmosphäre. Manche Szenen haben mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

Trotzdem war es für mich kein literarisches Highlight. Der sehr einfache Schreibstil passt zwar zur kindlichen Perspektive und verstärkt die Direktheit vieler Situationen, konnte mich aber auf Dauer nicht ganz tragen. Mir fehlte sprachlich manchmal die Tiefe oder eine besondere erzählerische Kraft, die über die reine Wucht der Erlebnisse hinausgeht. Auch die kindliche Erzählstimme hat mich emotional nicht immer erreicht, obwohl ich den Ansatz nachvollziehen kann.

Und doch halte ich dieses Buch für wichtig. Weil es nichts beschönigt. Weil es zeigt, wie fragil junge Menschen sein können. Und weil manche Geschichten nicht dafür da sind, „schön“ zu sein, sondern wahr.