Verstörend und großartig zugleich

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merkurina Avatar

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Dieses Buch kann einen nicht unberührt lassen. Bereits nach wenigen Seiten ergriff mich eine große Verstörung trotz Kenntnis der Zusammenfassung.
Das Cover wirkte dann auch, zumindest zunächst, fast schon zu konventionell auf mich. Die portraitierte Frau wirkt zwar tatsächlich sowohl verletzt als auch ausdrucksstark, es könnte das Portrait Lales, der Protagonistin, sein. Aber die harmonische Farbgebung, in die das Portrait eingebettet ist, wirkt ästhetisch sehr ansprechend und damit reiht sich das Cover ein in eine ganze Reihe ähnlicher, die dieser Tage Neuerscheinungen umhüllen. Doch mit der Zeit habe ich mich an dieses Bild von Lale gewöhnt und sie darin gefunden.

Die Erlebnisse der Protagonistin und Ich-Erzählerin in dieser so genannten Männerkommune bestehen nicht einfach darin, dass es keine Regeln gibt, denen das Kind sich unterwerfen muss. Vor allem kennen die Männer für sich keine Regeln und keine Grenzen und verletzen ein ums andere Mal die des heranwachsenden Mädchens. Das nennen sie dann “anarchistisch”.

In einem Interview hat die Autorin darauf hingewiesen, dass linke Communities nicht automatisch safe spaces gewesen seien - und wenn man liest, was ihr widerfahren ist, ist das noch eine Untertreibung.

Mit der Zeit empfand ich “Mit beiden Händen den Himmel stützen” als wunderbares Stück Literatur, so präzise und tapfer bewegt sich Lilli Tolkien durch das Dickicht dieser verwirrenden und belastenden Erinnerungen, spannt gekonnte Bögen zwischen erahnter Vergangenheit und ermächtigter Gegenwart.
Danke für dieses Buch!