Zwischen Angst und Aufbruch
Julya Rabinowich erzählt in Mo & Moritz leise, eindringlich und sehr nah an der Figur. Schon auf den ersten Seiten entfaltet sich ein dichter innerer Monolog, der Scham, Wut, Zugehörigkeitsfragen und erste Selbstbehauptung miteinander verwebt. Mo ist ein sensibler Beobachter, dessen Blick auf Familie, Schule und Umwelt von Ungerechtigkeitserfahrungen geprägt ist – und gerade dadurch glaubwürdig wirkt. Die Sprache ist klar, bildhaft und emotional präzise, ohne je pathetisch zu werden. Besonders stark sind die Alltagsdetails, die großen Themen wie Identität, Herkunft und Anderssein unaufgeregt tragen. Die Leseprobe macht neugierig auf eine Geschichte, die nicht laut sein muss, um unter die Haut zu gehen, und die Vertrauen in die leise Entwicklung ihrer Figuren hat.