Ein nicht ganz so leichter Snack für zwischendurch!

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Julya Rabinowichs Mo & Moritz ist ein intensiver Coming-of-Age-Roman, der zeigt, wie schwierig es sein kann, in einer neuen Gesellschaft Fuß zu fassen und gleichzeitig zu sich selbst zu finden. Im Mittelpunkt steht Mo, ein Jugendlicher aus einer kurdischen Flüchtlingsfamilie, dessen Leben von unausgesprochenen Erinnerungen, familiären Erwartungen und eigenen inneren Konflikten geprägt ist.

Die Fluchterfahrungen der Familie wirken noch lange nach und bestimmen den Alltag – auch wenn kaum darüber gesprochen wird. Jeder geht anders mit dem Erlebten um: Die Eltern klammern sich an Ordnung und Kontrolle, der ältere Bruder verliert zunehmend den Halt, die jüngere Schwester passt sich schneller an das neue Umfeld an. Mo steht zwischen diesen Welten. Nachdem er wegen eines Konflikts mit rassistischem Hintergrund die Schule verlassen muss, beginnt er eine Ausbildung als Friseur. Dort erfährt er erstmals echte Unterstützung und Respekt, besonders durch seinen Chef, der für Mo zu einer wichtigen Vertrauensperson wird.

In dieser Phase lernt Mo Moritz kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Liebesbeziehung, die von Vorsicht und Unsicherheit begleitet ist. Mo stammt aus einem muslimisch geprägten Elternhaus, Moritz aus einer jüdischen Familie – beide bringen ihre eigenen familiären Prägungen und Ängste mit. Während Moritz’ Eltern die Beziehung dulden, bleibt Mos Liebe ein Geheimnis, da Homosexualität in seiner Familie keinen Platz hat. Die Zuneigung der beiden Jungen steht damit unter ständigem Druck.

Der Roman verknüpft persönliche Entwicklungen mit gesellschaftlichen Themen wie Alltagsrassismus, religiösen Vorurteilen, Antisemitismus, Queerness, Klassismus und Radikalisierung. Diese thematische Fülle ist einerseits beeindruckend, andererseits wirkt der Text stellenweise sehr dicht, sodass nicht alle Konflikte vollständig ausgearbeitet werden können. Besonders Moritz bleibt als Figur eher im Hintergrund, und auch die Beziehung der beiden hätte an manchen Stellen mehr Raum verdient.

Trotzdem überzeugt Mo & Moritz durch seine emotionale Wirkung und seine Sprache. Rabinowich erzählt einfühlsam, bildreich und mit feinem Humor. Es entstehen viele eindrückliche Szenen, die Nähe schaffen und Mos innere Zerrissenheit spürbar machen.

Am Ende bleibt ein Roman, der mutig viele relevante Themen aufgreift und dabei berührt, auch wenn er nicht alles bis ins Letzte vertieft. Mo & Moritz regt zum Nachdenken an und zeigt, dass Ankommen mehr bedeutet als nur einen neuen Ort zu haben – es bedeutet, lernen zu dürfen, man selbst zu sein. Eine klare Empfehlung.