Rückschritt durch Technik?
Der Gedanke, dass technischer Fortschritt unsere Zukunft nicht unbedingt größer, sondern sogar kleiner machen könnte, hat mich bei der Leseprobe von MONOFUTURIS direkt angesprochen. Normalerweise denkt man bei Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Automatisierung zuerst an neue Möglichkeiten und daran, wie viel einfacher bestimmte Dinge dadurch werden. Das Buch stellt aber genau diese Selbstverständlichkeit infrage und fragt, was passiert, wenn aus einer freiwilligen technischen Möglichkeit irgendwann ein Standard wird, auf den man gar nicht mehr verzichten kann. Besonders interessant finde ich den Begriff „Monofuturis“, also die Vorstellung, dass aus vielen möglichen Zukünften nach und nach nur noch wenige übrig bleiben. Das wirkt zunächst ziemlich abstrakt, wird aber gerade durch Beispiele aus dem Alltag greifbarer: Wenn bestimmte digitale Systeme irgendwann überall vorausgesetzt werden, wird es gleichzeitig schwieriger, sich für eine andere Lösung zu entscheiden. Ich finde diese Perspektive spannend, weil ich Technik grundsätzlich als etwas Positives wahrnehme, aber beim Lesen trotzdem gemerkt habe, dass Fortschritt eben auch Abhängigkeiten schaffen kann. Gut gefällt mir deshalb, dass das Buch offenbar nicht einfach gegen Digitalisierung oder KI argumentiert, sondern beide Seiten betrachtet und dazu auffordert, genauer hinzusehen. Gerade die Frage, ob wir technische Entwicklungen eigentlich noch selbst gestalten oder irgendwann nur noch auf die Systeme reagieren, die wir geschaffen haben, finde ich ziemlich relevant. Die Leseprobe wirkt auf mich anspruchsvoll, aber gleichzeitig sehr aktuell und hat bei mir vor allem den Wunsch ausgelöst, einige der scheinbar selbstverständlichen Entwicklungen unserer digitalen Welt einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.