Wie viel Anpassung darf eine Gemeinschaft verlangen?

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claudiabader Avatar

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Wie viel Anpassung darf eine Gemeinschaft verlangen? Wann endet Anpassung und beginnt Selbstverleugnung?

Eine Freikirche mit hippem Vibe und jungem Pastor, die auf Social Media alle Register zieht.

→ Ein Fingerzeig darauf, was der klassischen Kirche fehlt.
→ Doch was bleibt, ist der Ausschluss all jener, die nicht in die gleiche Lebensweise, die gleichen Überzeugungen oder die gleiche sexuelle Orientierung passen.

Im Zentrum steht Ben. Er möchte nichts sehnlicher, als ein wertvolles Mitglied der Gemeinde zu sein – scheitert jedoch an seiner sexuellen Orientierung. Verzweifelt versucht er, sich auf den „richtigen“ Weg zu zwingen. Ein Weg, der von außen betrachtet nicht funktionieren kann, an dem er aber dennoch festhält. Die Konsequenz ist unausweichlich: Ausgrenzung.

Der Gegenpol zu Ben ist seine Schwester Esther. Auch sie sucht Zugehörigkeit, doch ihr Konflikt liegt nicht in ihrer Sexualität, sondern in der tief verankerten sexistischen Weltsicht der Freikirche.
Beide Geschwister zerbrechen an derselben Gemeinschaft, der sie so gern angehören würden – und entwickeln sich gerade dadurch in neue Richtungen weiter.

Fazit

Ich hatte mir vermutlich etwas anderes erwartet. Die Figuren und ihre Handlungen sind klar und überzeugend gezeichnet, die Sprache zugänglich und flüssig zu lesen. Dennoch wirkte der Roman auf mich stellenweise zu gefällig.

Der Konflikt engagierter Christ:innen, die ihre sexuelle Orientierung und ihren Glauben nicht miteinander vereinbaren können, die nicht kirchlich getraut werden und permanent zwischen Glaube und Selbstverwirklichung schwanken – all das ist mit Freunden bereits stark diskutiert. Vielleicht deshalb hätte ich mir hier noch mehr Tiefe gewünscht.