Zwischen Glaube, Macht und Zweifel

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Zwischen Glaube, Macht und Zweifel

In Monstergott begleiten wir die Geschwister Ben und Esther, die seit Kindheitstagen Teil einer evangelischen Freikirche sind. Der Glaube ist für beide Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens, prägt ihre Entscheidungen und ihre ganze Welt. Doch je tiefer man eintaucht, desto klarer wird, dass es hier nicht nur um Spiritualität geht, sondern auch um Macht, Kontrolle und die Frage, wo Glaube endet und Abhängigkeit beginnt…

Besonders spannend fand ich Esthers Rolle: Als gläubige Frau bewegt sie sich in einer Gemeinschaft, in der weibliche Stimmen selten sind und wird dadurch selbst zum Spiegel für Machtstrukturen und Geschlechterrollen innerhalb solcher Kirchen. Bei Ben wiederum zeigt sich, wie sehr ein charismatischer Pastor mit hipper Fassade Einfluss auf ihn haben kann: Wie viel davon ist echte Überzeugung, wie viel davon ist Wille zur Zugehörigkeit?

Was mir an dem Roman sehr gefallen hat, ist, dass Caroline Schmitt nicht in einfache Urteile verfällt. Sie zeichnet Kirche nicht pauschal als „gut“ oder „schlecht“, sondern entwirft ein vielschichtiges Bild von Gemeinschaft: einerseits Halt, Zugehörigkeit, Orientierung, andererseits aber auch Enge, Druck und zerstörerische Dynamiken. Genau diese Spannung macht den Reiz der Geschichte aus.

Ich habe Monstergott super gerne gelesen. Es ist ein intensiver, nachhallender Roman, der mich gefesselt hat und bei dem ich einmal mehr gemerkt habe: Wenn Caroline Schmitt ein neues Buch veröffentlicht, lese ich es, egal worum es geht.