Solider Krimi am Moor

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Im kleinen Ort Moorbach kennt jeder jeden. Noch besser kennen die Einwohner jedoch das Moor: einen Ort, der viele Geheimnisse trägt. Ein weiteres kommt hinzu, als die Zwillingsschwestern Jana und Nike im vernebelten Moor verschwinden, nachdem sie dort Videos für ihren TikTok-Kanal „Moormaid“ drehen wollten. Die neue Kommissarin Malia Gold setzt alles daran, die Mädchen zu finden. Dafür ist sie sogar bereit, sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen, die ebenfalls mit dem Moor verknüpft ist. Gleichzeitig scheinen auch die Dorfbewohner mehr zu verbergen, als es auf den ersten Blick wirkt.
Dies war mein erstes Buch, das ich von Winkelmann gelesen bzw. gehört habe, und es konnte mich überzeugen.
Das Cover kann ich nur als perfekt bezeichnen, denn es verbindet das zentrale Motiv (das Moor) ideal mit der düsteren Stimmung des Buches.
Den Schreibstil von Winkelmann empfinde ich als sehr angenehm. Es gelingt ihm sowohl, das ruhige, leicht mysteriöse Leben in Moorbach bildlich darzustellen, als auch stetig Spannung aufzubauen, die zum Weiterlesen motiviert. Das Einzige, was mich ab einem gewissen Punkt leicht genervt hat, ist die häufige Wiederholung der Eigenschaften des Moores. Natürlich spielt es eine zentrale Rolle im Buch, aber aus meiner Sicht ist es nicht notwendig, zigmal zu betonen, dass es voller Geheimnisse ist.
Zur Geschichte selbst: Es handelt sich um einen Krimi, der zusätzlich Spannungselemente enthält, die klassischerweise eher in Thrillern vorkommen. Als besonderes Merkmal dient das Moor als mysteriöser Schauplatz; ansonsten ist der Verlauf der Handlung spannend, aber eher klassisch gehalten.
Die Kommissarin und Hauptfigur Malia Gold wirkt auf mich authentisch, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Generell erscheinen die meisten Figuren sehr realitätsnah, sind jedoch keine besonders angenehmen Persönlichkeiten. Dies scheint jedoch beabsichtigt zu sein, da dadurch eine große Zahl möglicher Täter entsteht.
Das Ende habe ich so nicht kommen sehen und es ist aus meiner Sicht auch kaum vorhersehbar. Wer also unbedingt miträtseln möchte, wer der Täter ist, ist hier falsch. Zwar mag ich es grundsätzlich, wenn ein Ende nicht leicht zu erraten ist, dieses wirkte jedoch etwas zu simpel konzipiert und aus dem nichts kommend. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass genau das anderen Lesern gefallen wird.
Insgesamt hat mich das Buch überzeugt. Definitiv sollte man entweder Moore mögen oder ihnen zumindest neutral gegenüberstehen, um die Geschichte voll genießen zu können. Wer einen Krimi erwartet, der das Rad neu erfindet, oder unbedingt selbst den Täter entlarven möchte, wird hier sehr wahrscheinlich enttäuscht werden. Wer jedoch einen soliden, spannenden Krimi sucht, der nicht komplett vorhersehbar ist, wird hier sicherlich gut unterhalten.