Zwischen Schweigen und Weite
Der Roman Moosland von Katrin Zipse entfaltet von den ersten Seiten an eine dichte, eindringliche Atmosphäre. Die Sprache ist ruhig, präzise und zugleich von großer Sinnlichkeit getragen. Besonders beeindruckend ist, wie das Fremdsein der Protagonistin nicht erklärt, sondern spürbar gemacht wird – durch Blicke, Gesten, Landschaften und das allgegenwärtige Schweigen. Island erscheint nicht nur als Schauplatz, sondern als eigene Kraft, rau und offen zugleich. Die Natur, die Enge des Zusammenlebens und die unausgesprochenen Erwartungen verdichten sich zu einer leisen Spannung, die lange nachwirkt. Ein Roman, der weniger erzählt als fühlbar macht, wie Identität, Verlust und Zugehörigkeit sich langsam neu formen.