Deutsche Frauen in Island

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la_sagne Avatar

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1949 kommen etwa 300 junge deutsche Frauen nach Island, um dort auf Bauernhöfen zu arbeiten und die Plätze von Frauen einzunehmen, die mit GIs nach Amerika ausgewandert sind. Eine davon ist die Protagonistin. Anders als von der sie aufnehmenden Familie gefordert, hat sie keine Erfahrung mit der Arbeit auf einem Bauernhof und sogar Ängste.
Die Atmosphäre auf dem Bauernhof fängt die Autorin auf jeden Fall sehr gut ein. Sie beschreibt die harte Arbeit unter widrigen Umständen, die beeindruckende Landschaft, die Einsamkeit, die Konflikte in der Familie.
Den Menschen wiederum bleibt man sehr fern, so wie sich auch die Protagonistin bewusst abschottet. Gute gefallen hat mir, dass man die neue Umgebung mit der Protagonistin gemeinsam entdeckt. Namen sind beispielsweise zunächst in Lautschrift geschrieben und werden später erst richtig geschrieben, wenn die Protagonistin die Schreibweise gesehen hat.
Auch dass sie keinen so ganz typisch erwartbaren Weg geht hat mir gefallen. Ein bisschen schade fand ich, dass man bis zum Schluss sehr wenig über sie erfährt und die anfängliche Distanz immer bleibt. Man weiß, dass sie schlimme Dinge erlebt haben muss, aber nicht so recht was. Es ist sicherlich ein Kunstgriff das im Unklaren zu lassen, aber es hat mich auch etwas unzufrieden zurückgelassen. Ein paar Seiten mehr am Ende hätten mir gefallen.
Das Nachwort war dann sehr interessant. Es macht auf jeden Fall Lust sich näher mit isländischer Geschichte zu befassen.