Ein stiller Roman über Fremdsein und Ankommen

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mrs.may.reads Avatar

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INHALT Zwischen 1949 und 1951 reisen rund 500 deutsche Frauen nach Island, um dort zu arbeiten – und vielleicht zu bleiben. Elsa ist eine von ihnen. Sie kommt auf einen abgelegenen Hof, zu einer Bauernfamilie mit zwei Söhnen und einem Knecht. Ihre landwirtschaftlichen Fähigkeiten sind überschaubar, ihre Sprachkenntnisse nahezu nicht vorhanden. Weder Isländisch noch Englisch geben ihr Halt. Und so steht sie da – fremd, still, verloren.

Von Anfang an spürt man: Elsa ist das „schweigende Mädchen“. Ihr Schweigen ist nicht nur Charakterzug, sondern Grundton des Romans. Dialoge sind selten, Worte sparsam gesetzt. Vieles bleibt unausgesprochen, schwebt zwischen den Zeilen.

Die Ankunft auf dem Hof und das vorsichtige Einleben in den neuen Alltag habe ich gern gelesen. Das langsame Kennenlernen der Familie, die fremden Abläufe, die kleinen Unsicherheiten all das wirkt fein beobachtet.

Was mich tief beeindruckt hat, sind die Naturbeschreibungen. Steile Felsen, dunkle Fjorde, peitschender Regen, schmerzhaft kalter Schnee beim Lesen spürt man den Wind auf der Haut. Die Landschaft ist gewaltig, beinahe überwältigend. Und doch stehen ihr Figuren gegenüber, die nüchtern, fast distanziert gezeichnet sind. So kraftvoll die Natur, so zurückgenommen die Menschen.

Über allem liegt eine leise Melancholie. Eine stille Traurigkeit, die sich durch jede Seite zieht. Ich hätte mir stellenweise mehr Leben gewünscht, mehr Nähe zu den Figuren, mehr spürbare Emotionen. Da wärmten mich besonders die heiteren Briefe von Elsas Freundin Gerda kleine Lichtblicke in einer sonst eher kargen, moosbewachsenen Welt.

Man merkt, dass sich die Autorin Zeit nimmt. Für ihre Geschichte, für die Atmosphäre, für das langsame Ankommen. Moosland ist kein lauter Roman. Er ist ruhig, poetisch, fast spröde ein Buch, das weniger erzählt als fühlen lässt.

Und vielleicht ist genau das seine Stärke.