Eine überzeugend aufgebaute Atmosphäre

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maria-luise Avatar

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Mir hat das Buch „Moosland“ von Katrin Zipse unfassbar gut gefallen, denn die Autorin erzählt anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte von den knapp dreihundert jungen Frauen aus Deutschland, die dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt sind, um dort für ein Jahr auf den Höfen zu arbeiten. Die Bauern hofften nicht nur auf Arbeitskräfte sondern auch auf Heiratskandidatinnen, denn viele Isländerinnen sind in die Städte abgewandert oder nach dem Krieg, den abzieheneden Gls in die USA gefolgt.

Eine von den 300 jungen Frauen ist Elsa, sie hat keine Angehörigen mehr und um der Not im Nachkriegsdeutschland zu entkommen, folgt sie dem Aufruf. Traumatisiert und ohne Sprachkenntnisse kommt sie auf einen Bauernhof. Eine Verständigung mit der Familie und ihren beiden Söhnen, ist nicht möglich aber die Bauersfrau weiß sich zu helfen und zeigt Elsa, ihre Aufgaben, die sie langsam selbständig übernehmen kann. Die Arbeit auf dem abgelegenen Hof ist sehr anstrengend und hart aber dafür kann Elsa sich endlich satt essen. Nicht nur bei der Bäuerin findet sie langsam Anerkennung für ihre Leistung sondern auch bei den Männern, die sie bei anfallenden Arbeiten außerhalb des Hofes unterstützt.

Immer wieder verfolgen Elsa Erinnerungen an ihre Heimat und ihre Trauer um ihre Freundin Sola. Wird sie je ihren Schmerz überwinden …

Mit der Zeit findet der Knecht des Hofes Zugang zu Elsa und versucht ihr langsam aber sicher die Sprache des Landes beizubringen. Elsa ist und bleibt aber trotzdem verschlossen und schweigt weiterhin, dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben. Ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Jeder der beiden Söhne wirbt auf seine Art um Elsa, doch ob sie die ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungen erfüllen kann, bleibt abzuwarten.
Elsa kommt nach und nach hinter ein Geheimnis, das als dunkler Schatten über der Familie hängt.

Zum Ende gelingt der Autorin eine elegante und überraschende Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hätte, mich aber voll überzeugen konnte.

Fazit:
Gefallen haben mir die bildhaften Beschreibungen der Weite und Kargheit Islands und das Leben auf einem abgelegenen Bauernhof. Mit ihrer hervorragenden Recherche, gelingt es der Autorin, eine glaubhafte historische Atmosphäre zu schaffen und Elsas Fremdheitsgefühle überzeugend darzustellen. Ein detailliertes Nachwort rundet die historischen Fakten perfekt ab.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!