Erleben statt Erklären – ein tieffühlender Roman über das Ankommen im ländlichen Island

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Elsa, den Namen der Protagonistin, erfahren wir im letzten Kapitel. Denn vorher ist sie vor allem: Das schweigende Mädchen. Ohne enge Bezugsperson kommt sie 1949 als Arbeiterin für ein Jahr auf einen abgelegenen Bauernhof in Island. Dabei halten sich nicht nur ihre landwirtschaftlichen Fähigkeiten in Grenzen, sondern vor allem auch ihre Sprachkenntnisse des Isländischen. Monatelang ist sie in einem Stadium des Ankommens: Sie muss einerseits noch die Schrecken und Verluste des zweiten Weltkriegs verarbeiten, andrerseits die neue Bauersfamilie und ihren Tagesrhythmus sowie ihre Aufgaben in Haus und Hof kennenlernen.

Für ihre Erzählung lässt sich Katrin Zipse Zeit – so wie es eben auch die zahlreichen neuen Haushaltsaufgaben, das oft vom jährlichen Takt der Natur vorgegebene Leben auf dem Bauernhof und das Ankommen in einem „neuen Leben“ und in einer neuen Sprache erfordern. So bleiben das Schweigen, das Fremde, die ungewisse Zukunft. Doch gerade durch die intensive Schilderung, die mehr auf Erleben als auf Erklären setzt, entfaltet sich beim Lesen die Wirkmacht des Romans in seiner ganzen Kraft. Wer Lust auf diese Erfahrung hat, dem kann ich „Moosland“ nur wärmstens empfehlen!