Langsam, melancholisch, tiefgehend
In dem Roman „Moosland“ wird eine fiktiv Geschichte um ein sehr spannendes und unbekanntes geschichtliches Ereignis gesponnen. Der Roman spielt nach dem zweiten Weltkrieg in Island; eine Insel, von der die 30.000 amerikanischen Soldaten (auf 120.000 Einwohner) gerade abgezogen wurden. Viele von ihnen haben in der Zwischenzeit isländische Frauen kennen gelernt, die mit ihnen zurück in die USA gereist sind. Island fehlt eine Generation junger Frauen und gleichzeitig bedroht Landflucht die bäuerlichen Strukturen. Der Bauernverband ruft ein Projekt ins Leben: 300 deutsche Frauen - die meisten von ihnen haben im Krieg alles verloren - sollen für ein Jahr auf isländischen Höfen aushelfen. Hier setzt der Roman an und wir folgen einer jungen Frau - Elsa -, wie sie unsicher und voller Trauma in Island ankommt, wie ihr Trauma sie einnimmt, wie sie sich langsam zurecht findet und in die isländischen Familiengeheimnisse eintaucht. Die Geschichte ist sehr langsam erzählt und fokussiert sich sehr auf die Gefühlswelt der Protagonistin. Man kriegt ein Gefühl dafür, was die karge Landschaft, die Dunkelheit, Kälte und Einsamkeit mit einem machen. Trotz der Langsamkeit schließt man die Charaktere ins Herz und möchte das Buch nicht aus der Hand legen. Es sind auch tolle Details in dem Buch verbaut: Isländische Sätze, die man auch als Leserin nicht versteht, aber somit besser mit Elsa mitfühlen kann; oder die Schreibweise der Namen der Bauernfamilie zu Beginn des Buches - so wie Elsa es verstanden hat. Insgesamt ein sehr schönes Buch, und gleichzeitig wieder etwas gelernt!