Nordisch ruhig

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bookworld91 Avatar

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1949 hatte Deutschland keinen leichten Stand in der Welt. Zwischen Krieg, Hunger und Trauer gilt es, zu überleben. Zu dieser Zeit macht sich Elsa im Roman Moosland auf den Weg nach Island.
Elsa trauert um ihre engste Verbündete, als sie in Island ankommt. Ohne ein Wort Isländisch und mit schweren Gedanken passt sie sich nach und nach der Bauernfamilie an. Sie lernt, mit der Natur eins zu werden, zu reiten und die festen Rituale geben Elsa Struktur. Doch was hat es mit der Tochter der Familie auf sich?

Aufgrund eigener Erfahrung weiß ich, dass die nordischen Länder wie Island, Dänemark, Norwegen und Schweden eher ruhig sind. Das zeigt der Roman anschaulich, als Elsa zum Beispiel ohne viele Worte Teil der Gemeinschaft wird. Oder als Elsa reiten lernt. Die wichtigen Ereignisse passieren faktisch nordisch ruhig statt aufgeregt oder gehetzt. Dadurch gewinnt der Roman für mich als Leserin an Authentizität.
So authentisch die Ruhe auch ist, mich stört es zwischendurch, wie sehr sich manches in die Länge zieht und anderes auf der Strecke bleibt. Das reiten lernen zum Beispiel hätte man kürzen können und stattdessen mehr auf Elsas Trauer eingehen können. Vielleicht hätte die Natur sie trösten können? Ein Brief als Abschluss mit der stillen Trauer? Hier hätte ich persönlich mir eine passende Lösung gewünscht.
Gut gelöst finde ich die kleinen Sticheleien mancher Gäste hinsichtlich des Faktors, dass Elsa in deren Augen als deutsche für viele Kriegsverbrechen verantwortlich ist. Die Szene mit den U-Boot genügt mir zum Beispiel.
Insgesamt ein ruhiger Gesellschaftsroman, der neben kulturellen Kenntnissen auch die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen, erfordert. Für mich ist es vier Sterne wert.