Viel Atmosphäre

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Von

MOOSLAND
Katrin Zipse
ET: 10.03.26

Island im Juni 1949:

Elsa folgt dem Aufruf des isländischen Bauernverbandes, der junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren sucht, die als Arbeitskräfte und mögliche Ehefrauen nach Island kommen sollen. So gelangt sie zu einer abgelegenen Bauernfamilie. Das Leben dort ist rau, karg und entbehrungsreich, die Tage beginnen früh und enden spät, bestimmt von harter körperlicher Arbeit und einer Natur, die wenig Raum für Nachsicht lässt. Die fremde Sprache bleibt Elsa verschlossen, doch sie empfindet das kaum als Verlust, denn seit dem Tod ihrer Freundin Sola hat sie selbst das Sprechen aufgegeben.

Die beiden erwachsenen Söhne der Familie begegnen ihr offen und aufmerksam, der Bauer bleibt wortkarg, seine Frau zurückhaltend und kühl. Auch hier zeigt sich die Härte des Lebens, das Gefühle eher dämpft als zulässt. Bald wird deutlich, dass Elsa die schwere Landarbeit nicht gewohnt ist. Doch sie gibt sich Mühe, und mit dem allmählich wachsenden Zusammenhalt verschiebt sich etwas im Gefüge der Familie. Die jungen Männer suchen zunehmend Elsas Nähe, zugleich entsteht zwischen ihnen eine leise, aber spürbare Rivalität.

Als Elsa eines Tages auf ein altes Foto stößt, wird ihre Neugier geweckt. Darauf ist die Familie mit einem Mädchen zu sehen, offenbar der Tochter der Bauern. Doch niemand spricht über sie.

Wieso das so ist, müsst ihr natürlich selbst herausfinden.

Ach ihr lieben Bookies, da bin ich wieder. Dieses Buch hat mich für zwei Tage nach Island getragen. Ich habe den kalten Wind gespürt, die Weite der Landschaft, diese herbe und stille Schönheit. Katrin Zipse erzählt mit großer Atmosphäre und verbindet historische Gegebenheiten mit einer fein gesponnenen Fiktion. Wer einen plotgetriebenen und spannungsreichen Roman erwartet, wird hier nicht fündig. Dieses Buch lebt von seiner Stimmung, von der Langsamkeit und von den Bildern, die sich festsetzen. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto dunkler werden die Zwischentöne. Gerade darin liegt ihre Kraft. Keine Seite war mir zu viel, im Gegenteil: Ich wollte wissen, wohin der isländische Wind Elsa treiben würde.

Der geschichtliche Hintergrund war mir bislang unbekannt und hat mich umso mehr bereichert.

Fazit:
Ein stilles, dichtes Buch, das aus seiner Ruhe heraus zunehmend düstere Facetten entfaltet und die Kargheit des Lebens eindrucksvoll spürbar macht. Ich habe es mit großer Freude gelesen und möchte es euch unbedingt ans Herz legen. Wer Island literarisch erleben will, sollte sich auf diese Geschichte einlassen.
4/5