Vom Meer aus gesehen sind alle Häuser gleich

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bavaria123 Avatar

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"Island sucht Dienstmädchen für Landhaushalte. Bewerbungen an das Isländische Vizekonsulat in Lübeck. Postfach 455": Mit dieser Anzeige, veröffentlicht am 26. April 1949 in den "Lübecker Nachrichten", warb der Inselstaat um weibliche Arbeitskräfte. Der Grund: In der damals rund 130.000 Einwohner zählenden Republik herrschte, vor allem in den ländlichen Gebieten akuter Männerüberschuss.

Und circa 500 deutsche Frauen sind zwischen 1949 und 1951 per Schiff nach Island gereist, um dort mindestens ein Jahr zu arbeiten oder aber ganz dort zu bleiben. Neu anzufangen und raus aus dem zerstörten Deutschland, aus der Armut und der Chancenlosigkeit. Ihr Gehalt als Landarbeiterin liegt dort weit über dem, was zu dieser Zeit in Deutschland üblich ist.

Das alles wusste ich, weil ich bereits zwei Bücher über diese Thematik gelesen habe. Einen Roman und ein Sachbuch. Nun war ich sehr gespannt auf das Buch von Katrin Zipse.

Das Cover gefällt mir sehr gut und es ist passend zum Inhalt. Schön ist es auch, dass kein Extraumschlag genutzt wird, sondern das Bild direkt auf den Bucheinband gedruckt ist.

Schon nach einigen gelesenen Seiten bin ich dann auch mitten im Geschehen, angekommen in Island mit Elsa und Gerda. Elsa kommt zu einer Familie mit zwei Söhnen und einem Knecht. Später erfährt sie von der "fehlenden" Tochter.

Was mir ausgesprochen gut gefallen hat, sind die intensiven Naturbeschreibungen. Ich sehe steile Felsen, die jäh in enge Fjorde abfallen direkt vor mir, spüre starken Wind, heftigen Regen und Schnee.
So gewaltig diese Schilderungen sind, so nüchterner sind die Darstellungen der Personen. Die Bäuerin Inkibjörk ist fast durchgehend nur "die Frau", wörtliche Rede findet nur absolut selten statt, und wenn, dann gerne auch auf isländisch. Damit entsteht eine stille, melancholische Stimmung, aber ich hätte gerne ein bisschen mehr Leben gespürt.
Vielleicht hätte die muntere Gerda sich eher als Hauptcharakter geeignet. Auf ihre Briefe habe ich mich richtig gefreut.

Elsa trägt äußerlich den Mantel von Sola und innerlich viele Erinnerungen an sie. Leider erfahren wir Lesenden nur Andeutungen.
Und auch die Auflösung des Geheimnisses um die fehlende Tochter Steinunn ist mir zu schwach.

"Moosland" ist ein ruhiger Roman, der uns die isländische Sprache, Sitten und Kultur näher bringt, mir allerdings etwas zu zurückhaltend bleibt.