Von Herkunft, Verlust und Neuanfang

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1949. Elsa folgt dem Aufruf der isländischen Bauernpartei, ein Jahr lang auf Höfen zu arbeiten. Weit weg von der Heimat, der vertrauten Sprache und der eigenen Kultur. Nach mehr als vier Jahren Kriegsende, geprägt von Rastlosigkeit und Verlust, kommt sie auf einem abgelegenen Hof im Norden Islands an. Ein Zuhause hat sie nicht mehr. Niemand wartet auf sie. Elsa spricht kaum, sie ist still.

Schon das Cover hat mich sofort berührt. Das Aquarell vermittelt Weite und eine leise, fast schwebende Melancholie. In Leinen gebunden liegt das Buch zudem besonders wertig in der Hand. Ruhig, zurückhaltend, ganz bei sich.

Vor dem inneren Auge entsteht schnell ein Bild der rauen, ursprünglichen Landschaft: klare Luft, ein hartes Klima, weites Land, das einen nicht festhält und doch nicht loslässt. Das Stück Erde, auf dem Elsa neu beginnt, konnte ich förmlich sehen und hören. Die Küche als Dreh- und Angelpunkt des Hoflebens, das Blöken der Schafe, aber auch die nächtliche Stille, wenn die Erschöpfung nach der schweren Arbeit alles überdeckt. Ein Zuhause, das noch keines ist und doch eines werden könnte.

Katrin Zipse erzählt aus einer personalen Perspektive und beschreibt Elsas neuen Alltag fast nüchtern, ruhig und ungeschönt. Gerade dadurch entfaltet der Text seine Eindringlichkeit. Gedanken und Gefühle werden nicht erklärt, sondern dem Leser überlassen, was eine bewusste Distanz schafft. Ingibjörg bleibt die Frau, Jón der Bauer; nur Halldór, der Knecht und die Söhne Ólafur und Skúli tragen Namen. Nicht nur Elsa schweigt, auch die anderen Figuren tragen ihre Geschichten in sich.

Moosland ist ein Buch, das man nicht einfach wegliest, sondern zwischendurch aus der Hand legt, um zu spüren, was bleibt. Es überwältigt nicht durch große Dramatik, sondern durch seine stille Kraft.