Charmant mit wenig Tiefgang

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ninfee Avatar

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Ein sommerlicher Krimispaß - so wird das Buch beworben und das passt stellenweise ziemlich gut. Das schöne Buchcover hilft dabei, sich das Setting in Schottland und das B&B gut vorzustellen und dank eines interessanten Prologs ist die Geschichte zunächst vielversprechend. Man lernt Mabel, die Tante der Protagonistin noch unmittelbar vor ihrem Tod kennen und sowohl sie, als auch Melody, die Protagonistin der Geschichte, wirken interessant.

Aber leider lässt der erste gute Eindruck bei mir relativ schnell nach: Bereits nach dem ersten Kapitel spricht mich der Schreibstil nicht mehr an. Die Charaktere wirken sehr blass, erhalten keine Tiefe, verhalten sich teils unglaubwürdig. Das bleibt leider fast im gesamten Buch so. Natürlich lernt man die Hauptperson noch am ehesten kennen, doch auch Melody erhält hier und da plötzlich spontane Charaktereigenschaften, die davor keine Rolle gespielt haben, wenn sie die in einer bestimmten Situation braucht. Das finde ich etwas platt.
An den Kapitelenden baut die Autorin außerdem eine zeitlang kleine "Cliffhanger" ein, bzw. Szenen, die als Schreckensmomente oder so gedacht sind. Diese wirken aber in den meisten Fällen zu gestellt, zu erzwungen. Spannung kommt bei mir nicht auf, eher leichte Irritation.

Erst deutlich nach der Hälfte des Buches nimmt die Geschichte Fahrt auf, weil einige Nebencharaktere doch noch ein wenig genauer eingeführt werden und die Geschichte (endlich) aus der Handlung heraus etwas Spannung entwickelt, indem der Leser einige Geheimnisse, Intrigen und Straftaten erfährt und wie diese Taten unterschiedlicher Personen wiederum zu einer Person führen, die über all diese Dinge Bescheid weiß: zu der toten Tante. Erst ab jetzt hat man auch als Leser das Gefühl, dass hier die Vermutungen von Melody, dass die Tante ermordet worden ist, Hand und Fuß haben. Davor sind die ganzen "Merkwürdigkeiten", die Melody stutzig werden lassen wie: "die Tante war wohl nicht so beliebt im Ort", eher weniger Gefühl gebend für einen Mord. Im letzten Drittel des Buches mit Melody den Spuren der Verdächtigen folgen und überlegen, wer der Täter ist oder warum nicht, macht dann tatsächlich richtig Spaß. Und es gibt noch einen Twist, der, selbst im Nachhinein betrachtet, nicht so einfach zu erahnen ist. Das rettet das Buch für mich etwas.

Trotzdem bleibt mein Fazit: Insgesamt ist mir das Buch einfach zu ungenau, die Charaktere und Handlungsstränge über den Großteil der Geschichte zu oberflächlich und die Spannung lange viel zu künstlich, zu unglaubwürdig. Für mich ein mittelmäßiges Buch, in das ich persönlich über lange Strecken nicht eintauchen konnte.