Faszinierend

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taina Avatar

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Nie hätte ich gedacht, dass ein Buch über Bösewichte im Garten so spannend sein kann! Ja, hier wird gemordet, geraubt, gerupft, gebohrt und auch sonst noch allerlei Unheil angerichtet, aber die ‚Taten‘ werden so anschaulich und gut dokumentiert geschildert, dass es eine Freude ist. Die Autorin geht dabei äußerst sachkundig und streng kriminalistisch vor: Zunächst wird das ‚Verbrechen‘ vorgestellt – mit wunderschönen Fotos vom Tatort. Dann werden Indizien, Zeugen, Verdächtige aufgelistet und abgebildet, der oder die Täter schließlich überführt und noch einmal in Vergrößerung mit Details präsentiert. Die farbigen Bilder sind dabei so gestochen scharf und zeigen die Delinquenten voller Wohlgestalt und oft auch Eleganz, so dass man ihnen nicht ernsthaft böse sein kann. Zumal er oder sie stets ein nachvollziehbares Motiv hat, das uns dann zur Milde veranlasst. Wer würde zum Beispiel einen kleinen Vogel verurteilen wollen, der die von uns geschätzten Blätter von Kräutern zum Schutz und Wohlbefinden für seine Brut benötigt? Überhaupt wird mein Verständnis von Schädlingen hier gründlich in Frage gestellt, zumal wir am Ende einsehen müssen, dass auch wir zu den Täter/innen gehören.
Der Schreibstil der Autorin zeugt von einer großen Portion Humor, der doch angesichts der Untaten geradezu unangemessen erscheinen sollte. Sie verfügt über die Gabe, auch komplizierte Sachverhalte so aufzubereiten, dass die Leser/innen gefangengenommen werden (das ist eigentlich auch eine kriminelle Handlung) und beim Lesen und Lernen viel Freude haben. Viele der Unheil anrichtenden Lebewesen (nach der Lektüre sträubt es sich in mir, von Schädlingen zu sprechen) sind noch gar nicht als solche in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt – von den titelgebenden Nacktschnecken einmal abgesehen. Auch hier zeigt die Autorin eine genaue Kenntnis der Unholde, die weit über das hinausgeht, was allgemein für richtig gehalten wird.
Die meisten Fotografien stammen, wie aus dem Quellenverzeichnis hervorgeht, von Elke Schwarzer selbst, schon als Fotoband würde dieses Buch seine Fans haben. Ein fester Einband, das Cover dem Sujet angemessen in Schwarz, sehr schönes Papier, ein Lesebändchen – rundum ein richtig tolles Buch zum Selberlesen und als Geschenk. Aber sein oder ihr eigenes wird wohl niemand hergeben wollen.