Ein mörderischer Livestream und die Einsamkeit dahinter

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bobo_hamburg Avatar

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Die Story ist echt heftig und springt zwischen der Gegenwart, in der ein völlig verstörtes, blutverschmiertes Mädchen namens Odette auf einer Polizeiwache landet, und der Vorgeschichte vor vierzehn Monaten hin und her. Nach dem einsamen Tod ihrer Mutter versucht Odette verzweifelt, sich ein normales Leben aufzubauen und Freunde zu finden, trifft dabei im Museum auf den eleganten älteren Herrn Amos und verstrickt sich in etwas, das drei Monate lang live im Netz gestreamt wird und in einem brutalen Mord endet. Ich würde sagen, dieses Buch ist perfekt für Jugendliche ab fünfzehn oder sechzehn Jahren geeignet, die auf richtig düstere Psychothriller stehen.

Das Cover hat mich direkt voll abgeholt, weil das Design mit diesem extremen Glitch-Art-Look und den bunten Störstreifen sofort nach einem gecrashten Livestream aussieht. Es erinnert auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen an diese digitalen Effekte aus der Matrix, passt aber durch diesen modernen Social-Media-Vibe perfekt zur Story des Buches. Es macht auf jeden Fall neugierig und sticht im Buchladen sofort ins Auge.

Was mich total gecatcht hat, ist der geniale Aufbau mit den verschiedenen Zeitebenen. Man steigt direkt in der Gegenwart ein, sieht dieses blutüberströmte Mädchen und fragt sich sofort, was zur Hölle passiert ist. Als es dann zurück in die Vergangenheit geht und man Odette bei der traurigen Beerdigung ihrer Mutter oder beim illegalen Asche-Verstreuen im Museum begleitet, merkt man schnell, wie besonders und auch unheimlich ihre Psyche ist. Diese leise, unterschwellige Bedrohung, die unter ihrer scheinbaren Naivität liegt, ist einfach extrem gut gemacht.

Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann vielleicht, dass der Wechsel zur Perspektive des Polizisten Roger im vierten Kapitel den Fokus ein bisschen verschiebt. Man verlässt Odettes faszinierende, wenn auch gruselige Gedankenwelt und kriegt die Geschehnisse plötzlich von außen durch die Ermittlerbrille präsentiert. Das nimmt kurzzeitig ein wenig von der intimen, beklemmenden Atmosphäre raus, die sich in den Kapiteln davor so stark aufgebaut hat.

Der Schreibstil ist richtig flüssig, direkt und transportiert Odettes schräge Sichtweise auf die Welt perfekt. Man spürt ihre extreme Einsamkeit in jedem Satz. Der Spannungsaufbau ist absolut meisterhaft, weil man durch die Andeutungen über ein virales Video und den brutalen Ausgang der Geschichte sofort wissen will, wie aus der tollpatschigen Suche nach einem Freund ein landesweiter Albtraum werden konnte. Die Charaktere, allen voran Odette, sind vielschichtig gezeichnet und man schwankt ständig zwischen Mitleid und absolutem Gänsehaut-Feeling.

Das Buch ist absolut perfekt für alle, die komplexe Psychothriller lieben oder sich für die dunklen Seiten von Social Media und True-Crime-Phänomenen interessieren. Wer Storys mag, bei denen man sich nie sicher sein kann, wer Opfer und wer Täter ist, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Nach dieser Leseprobe erwarte ich ein absolut nervenaufreibendes Psychospiel, das zeigt, wie soziale Medien ein Leben komplett zerstören können und was echte Einsamkeit mit einem Menschen macht. Ich werde das Buch nach diesem fetten Cliffhanger definitiv sofort weiterlesen, weil ich unbedingt wissen muss, wie Odette zu Großbritanniens meistgehasstem Mädchen wurde.